Ein historisches Kleinod mit klangvollem Namen

Wie das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Landau, das Haus „Zum Maulbeerbaum“ im historischen Zentrum der Stadt, der Marktstraße 92, zu seinem außergewöhnlichen Namen kam, darum ranken sich viele Legenden. Sicher ist jedoch, dass es bei seiner Gründung als Hof des Ritters Theoderich von Laufensel Ende des 13. Jahrhunderts bereits die Maulbeere im Namen trug, als Hof „Zu dem Mulebaume“. Die Nutzung als „Herberge“ sollte das „Haus zum Maulbeerbaum“ bis ins 20. Jahrhundert prägen – mal als Nobelherberge für adlige Gäste, mal als politischer Versammlungsort streitbarer Ritter, als private Gastwirtschaft und Brauhaus, als Kolonialwaren-Großhandlung der angesehenen jüdischen Kaufmannfamilie Dannheisser, als beliebter Einkehrort für die Landauer Marktbesucher.

Bereits im Jahre 1488 erwarb die Stadt Landau den mittelalterlichen Adelshof und gestaltete ihn als Gastwirtschaft und städtische Herberge um. Zu den hochrangigen Gästen, die die Stadt Landau hier beherbergte, gehören zwei deutsche Kaiser oder zumindest deren Gefolge und zahlreiche europäische Adlige.

Besondere Bedeutung erhielt das Haus vor allem durch die dort im 16. Jahrhundert stattfindenden politischen Versammlungen von Rittern aus der Region, von denen die des Jahres 1522 die bekannteste ist: Hier wurde am 13. August 1522 von den anwesenden Rittern der „Landauer Bund“ gegründet und Franz von Sickingen zu dessen Bundeshauptmann der rheinisch-schwäbischen Ritterschaft gewählt.

700 Jahre lang trotzte das „Haus zum Maulbeerbaum“ der Unbill der Zeit, überstand Stadtbrände und Kriege. Doch mit der scheinbaren Bedeutungslosigkeit des Gebäudes, die  nach Ende des 2. Weltkrieges einsetzte, nahm der zunehmende Zerfall des Hauses seinen Lauf. Ein erstes wichtiges Signal zu Erhaltung kam 1984, der „Maulbeerbaum“ wurde unter Denkmalschutz gestellt.

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