Unterm bröckelnden Putz schlummert die Renaissance

Ist das „Haus zum Maulbeerbaum“ noch zu retten? Im Jahr 2003 ließ die Stadt Landau das Gebäude untersuchen. Eine interdisziplinäre Gruppe aus Bauforschern, Restauratoren, Architekten und Statikern erstellte ein verformungsgerechtes Aufmaß und verschiedene Gutachten zu dem Gebäude. Neben beträchtlichen Schäden am Außenmauerwerk, den Balkenköpfen der Decken und dem Dach, gab es auch positive Überraschungen: Im Rahmen der Untersuchung entdeckte ein Restaurator im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss Reste einer historischer Wandbemalung.

Auf Initiative des 2011 gegründeten Vereins „Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum Landau e.V.“ konnten 2014 weiterführende Freilegungen durch Restauratoren durchgeführt werden. Entdeckt wurden eine zwischen zwei Fenstern liegende Wandinschrift mit einem Bibelzitat (Psalm 109, Vers 3) in gotischen Lettern, kunstvolle Ausmalungen der Sockel mit einer wunderschönen Rosenmalerei sowie eine reiche, ornamentale Bemalung einer Fensterumrandung im ehemaligen Saal des 1. Obergeschosses.

 

Auch die Datierung der Wandgestaltung birgt eine Überraschung: Sie ist aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem großen Stadtbrand 1689 entstanden – ein Indiz dafür, dass das Haus nicht, wie bisher angenommen, beim Brand vollständig zerstört wurde.

Zu den bauhistorischen Schätzen des Hauses zählt darüber hinaus der Treppenturm mit Steinwendeltreppe in Renaissanceform. Spannend sind auch die 17 Terrakotta-Kopfmedaillons aus dem Jahr 1880 an der dem Gebäude vorgelagerten Westbahnstraße 28. Sie erinnern an die einst noblen Gäste des „Hauses zum Maulbeerbaum“, Ritter und Adlige, darunter auch ein Porträt des Reichsritters Franz von Sickingen.

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